Donnerstag, 5. April 2007

Handywecker vs. Junghans

Heute morgen, 5 Uhr früh. Mein Handy klingelt wie wild, ich - schlaftrunken und noch völlig kaputt vom Vortag, lehne meinen tranigen Körper über die Bettkante. Greife nach dem zuckend, schrill lärmenden Handy. "Wer zum Teufel?!". Ich nehme den Anruf an, wider Willen. Leicht säuerlich melde ich mich mit "haaallo". "Hi Johnny" entgegnet es mir. Für eine Sekunde zögere ich, mein Verstand kann der schlafgelähmten Wahrnehmung nicht ganz folgen. Es ist Lolo. "Johnny, sag mir, hast du mich gern?", träufelt mir ihre trunkene Stimme in meinen Gehörtrichter. "Du hast einen Knall, Lolo! ... Kapierst du nicht, dass ich schlafen muss - es ist ..." Ich blicke auf mein Handy, ich starre der schwarzen Wand entgegen, die meine Dachwohnung erdrückt. "Es ist 5 Uhr früh und Du weckst mich... ich arbeite 6 Tage die Woche. Es gibt noch Menschen, die haben einen Alltag, dem sie nicht entfliehen könne. Ich brauche den Schlaf!". Sie entgegnet mir mit einem beleidigten "Du bist doch selber besoffen!". Klick - ich drücke den unbekannten, unerwünschten Anrufer weg. Ich starre die Senkrechte meiner Dachschräge an. Das weißgeliebte Fachwerk drückt sich langsam durch das Dunkel. Ich wehre mich gegen diese ungewollte Adaption meiner Augen an das Licht. Das Handy klingelt erneut. Das Display zeigt sie wieder... die Unbekannte Lolo. Ich grüble darüber nach.

Wohin ich meinen Wecker wohl gelegt habe? Ich höre den Wecker lachen, der noch immer still und unberührt mit ausgeklinkter Batterie in einem der 15 unausgepackten Umzugskartons ruht. Ich versuche den schrillen Lärm einzudämmen, ohne dabei dem eingestellten Alarm des Handys seine Funktion zu nehmen. Es klingelt weiter, zweimal, dreimal. Ich gebe auf. Ich glaube an meine innere Uhr, sie wird mich rechtzeitig wecken. Ohnehin ist die Ruhe dahin. 5:50 Uhr und nur noch eineinhalb Stunden, um den Tag zu retten und die Nacht zu nutzen. Ein kurzes Wegdriften lässt mich die weiteren 8 Versuche von Lolo verpassen. Meine Bettkante vibriert. Gezielt hochschnellend und das Handy ergreifend erkenne ich die 3 heilbringenden Buchstaben auf meinem Mobiltelefon - MUM. Sie will wissen ob ich denn im Sommer wieder nach New York komme. Wenn sie wüsste, wie gerne ich das würde. 15 Kartons... ach, lass es 100 sein! Doch ich finde dich, mein bester Wecker. Raus aus dem Gefängnis meines Cellphones. Ich lege die Leitung lahm, kein Durchkommen mehr für Lolo oder Neo. Ich breche jetzt mit der Matrix.

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